Santana Caravanserai (1972) *****


Gewinner-Pressung
UK original CBS (Stamper A2 / B2)
Klanggrad
Seite 1 A+++ / Seite 2 A+++
Zustand Cover / Vinyl: EX+ / M-
(SUPER für eine 50 Jahre alte Original-LP!)
Pressungen im Shootout: Mehrere US-Originale Columbia, eine weiters UK-Original (A1/B1-Stamper), deutsche und holländische Pressungen.
Kommentare
Interessanterweise hat keine amerikanische oder die mutmaßliche englische Erstpressung (A1/B1) in diesem aufwändigen Shootout das Rennen gemacht. Für mich ist das ein weiterer Beweis dafür, an klangliche Dinge stets offen und unvoreingenommen heranzugehen. Umso erstaunlicher, denn die ersten drei Santana-Alben und die beiden folgenden in meiner Sammlung beinhalten allesamt US-Pressungen als Gewinner.
Der Sound hat eine fantastische Energie, ist wunderbar transparent und vor allem korrekt. Letzteres ist bei der Vielzahl von Perkussionsinstrumenten extrem wichtig. Gibt es beispielsweise bei den Cymbals oder Blasinstrumenten Verzerrungen, fliegt man vom Stuhl. Die Midrange ist tubey magical, die Instrumente sauber abgebildet und beim Hören entsteht der Eindruck, die Künstler tatsächlich „sehen“ zu können und das Gefühl zu haben, mit der Band im Studio zu sitzen.
Die anderen Pressungen im Shootout ließen vor allem Transparenz und Dynamik vermissen, andere waren nicht korrekt und damit unhörbar. Wenn ich ein halbes Dutzend Kopien gegeneinander spiele, lehrt mich dieser Prozess, was richtig ist und was eben nicht stimmt.
Caravanserai ist mit Sicherheit eines der besten Alben jener Zeit, eine spirituelle Mischung aus Jazz, Rock und lateinamerikanischer Musik. Nach einem ikonischen Auftritt in Woodstock und drei exzellenten Alben, die die Blaupause für Latin Rock definierten, befand sich Santanas Band im Umbruch. Musikalisch begann der Weg zu Caravanserai mit der Liebe des Schlagzeugers Michael Shrieve zum Jazz. Shrieve war Santanas Portal in die Welt der großen Jazzalben. Manche Schlagzeuger haben Fingerspitzengefühl, aber Michael Shrieve hatte Visionen. Obwohl die Chefs von Columbia sagten, dieses Album sei „Karriere-Selbstmord“, bestand Santana darauf, dieses Album SO zu machen – einfach genial!
Seite 1
Eternal Caravan of Reincarnation
Carlos Santana suchte nach einer entspannten atmosphärischen Stimmung für den Beginn des Albums und bat Ingenieur Glen Kolotkin, ihm dafür Geräusche aus der Natur zu besorgen. Kolotkin nahm daraufhin den Grillenchor in seinem Hinterhof auf, der sehr natürlich auf einer exzellenten Pressung klingt. Dann steigt super klar das schroffe Saxophon ein. Caravanserai startet also mit 35 Sekunden Grillen und einem Saxophon-Intro. Das waren die Siebziger!
Sukzessive setzten Bass, Percussions, Gitarre und Fender Rhodes ein. Alle Instrumente haben die richtige Klangfarbe mit fantastischer Transparenz und Auflösung, was entscheidend ist für das Hören in den dreidimensionalen Studioraum. Der jazzige Bass ist straff und satt, jede Note lässt sich gut verfolgen. Ich liebe den Klangteppich des Fender Rhodes im rechten Kanal und Neal Schons Gitarre im linken.
Das Ganze ist Pure Magie! Und es wird immer besser, je öfter man sich dieses Album im Ganzen anhört. Die Musik fließt in Perfektion. Es gibt kaum eine vergleichbare Platte. Die Songs sind emotional, meditativ und inspirierend.
Waves Within
Eternal Caravan of Reincarnation geht fließend in diesen Song über, ein Jazzrock-Instrumental, das Carlos Santanas Gitarre in den Mittelpunkt stellt. Wahnsinn, was der Mann aus den Saiten herausholt! Dazu schwebt Gregg Rolies Organ auf einem Klangteppich aus Percussions.
Look Up (To See What’s Coming Down)
Dieses Stück ist stark vom Ensemblespiel und Funk-Anleihen geprägt. Ein gutes Beispiel für Doug Rauchs exzellenten funky Bassgitarren-Groove.
Just in Time to See the Sun
Zwölf Minuten vergehen vom Beginn des Albums an, bevor wir die ersten Vocals von Gregg Rolie hören. Es ist der Track, der dem Stil der vorherigen drei Alben am ähnlichsten ist. Powervolle, tolle Melodie, die Gitarren erfüllen den Raum.
Song of the Wind all-time favourite
Ein Song für die Ewigkeit – traumhaft!
Song of the Wind ist eine Tour de Force der Gitarrenarbeit von Carlos Santana und Neal Schon, einer der letzten großen Auftritte des letzteren für die Band. Nacheinander verteilen die beiden Solophrasen, die auf jedem anderen Album zehn Songs liefern könnten. Der Bass ist superangenehm und wohl definiert. Doug Rauch hatte eine einzigartige Art zu spielen; einer der ersten, der die Daumen- und Popping-Technik verwendete. Michael Shrieve hat die Drums in einer harten Nacht im Studio nachträglich hinzugefügt, sie springen förmlich aus den Lautsprechern.
All the Love of the Universe
Wenn man hier eine miese Pressung hat, killen einen die schrillen Gitarren zu Beginn. Auf einer Copy wie dieser aber ist alles korrekt und damit okay. Auffällig sind bei diesem Stück die wunderbar klingenden Kastagnetten, um die es einen schönen Hall gibt. Das ist ein untrügliches Zeichen für eine phantastische Pressung, für einen Hotstamper eben. Gregg Rolie hat sich hier noch einmal mit einem großartigen Orgelsolo verewigt.
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Future Primitive
Jazz-Rock-Fusion at his best! Man benötigt eine exorbitant ruhig laufende Scheibe, um den ruhigen Beginn genießen zu können (das ist fast unmöglich, wir wissen wie oft es einen „noisy edge” gibt). Die Percussions und Congas sind der Hammer und ich liebe das E-Piano. Großartige Atmosphäre! Auch Seite zwei von Caravanserai enthält die wahren Juwelen.
Stone Flower
Der akustische Bass von Tom Rutley ist tief, aber nicht zu fett, klar und wohl definiert. Die Percussions klingen bei diesem Stück besonders powervoll und warm. Carlos Santana und Michael Shrieve schrieben den Text für dieses Stück von Antonio Carlos Jobim und sangen es auch gemeinsam.
La Fuente del Ritmo
Noch ein Percussion-Feuerwerk, dazu die der nächste Fight von Santana und Neal Schon an den Gitarren. Tom Coster spielt das wunderbare E-Piano-Solo. Coster blieb während der gesamten Jazz-Rock-Periode und kurz danach bei Santana und schrieb 1976 den Hit „Europa“.
Every Step of the Way
Ein weiteres Juwel und Santanas Lieblingsmelodie auf dem Album. Das neunminütige Instrumental hat eine tolle Atmosphäre und klingt wirklich fantastisch. Die Atmosphäre ist berauschend und erinnert zu Beginn an Miles Davis’ „In A Silent Way“. An einer Stelle zieht Santana einen Gitarrenton schier endlos in die Länge, was Gänsehaut garantiert. Greg Rolies Organ, das an Intensität kaum zu überbietende Flötensolo von Hadley Caliman und das feines Orchesterarrangement von Tom Harrell runden das Stück für die Ewigkeit ab.
Irgendwann versinkt man in diesem traumhaften Arrangement. Am Ende hat man das Gefühl, etwas Einzigartiges erlebt zu haben – und Caravanserai ist einzigartig.
Im Nahen Osten bedeutet das Wort Karawanserei einen großen Hof, der Wohnwagen oder einfach eine Gruppe von Menschen, die zusammen reisen, beherbergt. Aber Carlos Santana fand eine andere Bedeutung, als er einen Text des indischen Yogis und Guru Paramahansa Yogananda las: „Die Karawane ist der ewige Kreislauf der Reinkarnation, jede Seele geht ins und aus dem Leben, vom Tod zum Leben und wieder zurück, bis Sie an einem Ort ankommen, an dem Sie sich ausruhen und einen inneren Frieden finden können. Dieser Ort ist die Karawanserei.“ Er konnte sich keinen besseren Titel für das Album einfallen lassen, da er nicht nur seine persönliche Suche nach Spiritualität zu dieser Zeit repräsentiert, sondern auch die Musik, die die Band für das Album kreierte. Diese Musik hat eine Intensität und Dringlichkeit, die in den Anfängen des Jazzrocks ihresgleichen sucht (The Music Aficionado).
Quellen & Links:
The Music Aficionado Blog (great!)
Carlos Santana "Der Klang der Welt: Mein Leben" (Biographie)
