




Erik D. Schulz
Der Vorhang geht auf! Hello, hurray!
Kennen Sie die Barriere, die durchschnittlicher oder schlechter Klang für das Verständnis und den Genuss von Musik bedeutet? Wenn Sie nur eine Pressung eines Albums besitzen, ist es praktisch unmöglich zu erkennen, was möglicherweise beim Sound fehlt. Sie ahnen, dass die Musik besser klingen könnte, weil diese eine Kopie kaum Emotionen bei Ihnen weckt. Überhaupt ist es viel schwieriger zu erkennen, was möglicherweise fehlt, als zu erkennen, was tatsächlich falsch ist. Die Barriere räumen Sie nur ab, wenn Sie in einem aufwändigen Prozess unterschiedliche Pressungen eines Albums gegeneinander vergleichen.
Nachdem diese harte Arbeit vollständig und vor allem erfolgreich getan ist, beginnt plötzlich einfach alles richtig zu klingen, so richtig, dass man vergisst, dass es sich um eine Platte handelt. Es entsteht dann oft ein physisches, emotionales Erlebnis: Tränen füllen die Augen, Schweißausbrüche des Glücks werden induziert und Ihr Herz schlägt wie vor dem ersten Kuss. Der schwere Vorhang, der zuvor die Musik gedämpft hat, öffnet sich und nun können Sie den Sound nicht mehr vergessen. Er brennt sich in die DNA.
Meiner Meinung nach ist es für jede Hi-Fi-Anlage unabdingbar, den bestmöglichen Tonträger zur Verfügung zu haben, um deren Kapazität voll ausreizen zu können. Leider ist das mit digitalen Medien derzeit für mich nicht zu erreichen. Keine CD oder ein noch so hoch aufgelöster digitaler Download hat den warmen Analogsound, den Vinylplatten transportieren können. Dabei will ich nicht abstreiten, dass man auch joggend mit einem MP3-Player auf dem Kopf und guter Musik glücklich werden kann. Mein Gourmet-Gehör ist dafür aber inzwischen verschlossen.
Wenn es irgendwann mal eine Technologie geben sollte, die Vinyl schlägt oder ersetzt, und zwar so, dass es mich nicht mehr kalt lässt, werden die Mastertapes – wenn überhaupt noch auffindbar – längst verblichen sein. Die große Vinyl-Ära von 1960-90 ist unwiederbringlich vorbei.
Unglücklicherweise ist es aber auch mit Vinyl schwierig. So verkaufen die meisten „audiophilen Händler“ sogenannte audiophile Platten. Das sind Heavy-Vinyl-Reissues, sonstige remasterte Neuausgaben, Half-Speed-Master-LPs oder Importe aus Japan. Bei den Neuausgaben gab es zugegebenermaßen in den letzten Jahren Fortschritte, doch das Gewicht einer Platte, die Qualität des Vinyls, das Herkunftsland und die Meinung anderer sind leider kein Indikator für guten Sound. So verliert der Begriff „audiophiles Vinyl“ seinen Wert. Es wäre ja auch zu einfach, sich eine 180g LP zu kaufen und man hätte dann den optimalen Sound. Nein, es ist mühsame, dreckige, verbissene, teure und zeitaufwendige ARBEIT, deren Lohn oben beschriebene Glücksmomente sind. Der bestmögliche Sound ist eine Lebensaufgabe.
Auf Hotstamper Vinyl geht es ausschließlich um Vintage Vinyl von 1960 bis hinein in die 1990er Jahre mit dem Kern Mitte Sechziger bis Mitte Achtziger. Meine Erfahrungen habe ich im Wesentlichen beim puren alten Analogsound gesammelt. Natürlich kenne ich auch die eine oder andere Neuauflage und viele MFSL, DCC und sonstige „audiophile“ Pressungen. Moderne Reissues sind jedoch definitiv nicht mein Fachgebiet, da fehlt mir die Expertise.
Des Weiteren kann ich auch nicht bei meiner aufwändigen Arbeitsweise das gesamte Spektrum der Rock- und Popmusik abbilden. Ich will auch kein neues Rocklexikon verfassen, sondern vor allem klangliche Aspekte der vorgestellten Alben besprechen. Von Kritik an meinem Katalog bitte ich daher abzusehen, denn dieser ist rein Geschmack getriggert und völlig subjektiv. Viele gute Jazzalben fehlen, Progrock, Krautrock etc. Es ist nicht so, dass mir diese Musik nicht gefallen würde, aber bei vielen LPs fehlt mir die Motivation, mich in Arbeit und Unkosten zu stürzen. Wenn es eine Hotstamper-Seite gäbe, die mir verrät, wie ich am leichtesten einen heißen Sound für z.B. David Bowie, Fleetwood Mac, Supertramp, Yes, John Coltrane, Thelonious Monk oder Oscar Peterson finden kann, wäre das sehr hilfreich. Nachahmer sind also definitiv erwünscht. Es gibt so viel gute Musik zu entdecken, und ich werde immer das Gefühl haben, etwas zu verpassen – obwohl jedes Jahr einige Bands und Musiker hinzukommen, mit denen ich mich beschäftige. Dasselbe gilt für den Bereich der Klassik. Auch da bin ich kein Kostverächter, aber ich sammele kein Klassik-Vinyl, da mir das viel zu aufwändig wäre. Wenn ich mal audiophile Klassik hören möchte, gehe ich ins Konzert, kaufe mir gute Karten (nicht ganz vorne in der Mitte) und genieße diese Musik von Zeit zu Zeit.
Mit der Verbesserung meines Hi-Fi-Equipments habe ich gelernt, mich nur noch auf mein Gehör zu verlassen. Bei diesem langwierigen Prozess war es ein glücklicher Umstand, dass ich 2005 auf die Website von Tom Port gestoßen bin: Better Records. Seine Prinzipien stellen einen entscheidenden Wendepunkt in meiner Karriere als Musikliebhaber dar. Ich bin ein Tom-Port-Jünger, ein Fan – er ist mein Hero. In seinem Shop habe ich ein Vermögen ausgegeben und Unmengen von Glück eingekauft. Von Tom habe ich das Grundprinzip gelernt, dass man die Platten spielen, anhören, vergleichen und mit der Zeit kennenlernen muss, um eine Entscheidung fällen zu können. Nur so kann man den besten Sound finden, denn nicht zwei LPs klingen gleich, nicht einmal mit derselben Stampernummer. Es ist wie mit der Gauß-Verteilung: Ich suche die LPs außerhalb der Normalverteilung, die Ausnahmeerscheinungen, die Highlights eben.

1 = erfahrungsgemäß schlecht klingende Reissue oder Original-LP
2 = Pressung, die erfahrungsgemäß ansprechend klingen kann
3 = Pressung mit Stamper-Nummern, die potenziell für hervorragenden Sound stehen
Für diese Suche gilt die 10.000-Stunden-Regel, um Expertenwissen zu erlangen. Ich habe versucht, mich immer wieder anzupassen und mit voller Konzentration bestimmte Aspekte zu verbessern: Gezieltes Kaufen von potenziellen Hotstampern, Optimierung der Hi-Fi-Anlage, sauberer Strom, Raumtuning, Psychoakustik ins Gleichgewicht bringen etc. Wichtig war das Feedback von Freunden mit Sachverstand.
Sich diesem aufwändigen Suchprozess zu stellen, sich mit den Dingen derart gründlich zu beschäftigen, dafür ist natürlich nicht jeder bereit und/oder in der Lage. Aber es lohnt sich definitiv. Nur so findet man Hotstamper mit fantastischem Sound, die alles andere in den Schatten stellen. In ihren Rillen liegt Magie!
Was genau ist also ein Hotstamper? Was genau will ich auf einer optimalen Platte hören?
Atemberaubende Klarheit und Transparenz, extrem niedrige Verzerrung, maximale Korrektheit im Frequenzgang, einen tiefen, satten Bass, bei dem man jeder Note folgen kann, seidige Höhen, einen vollmundigen und klaren Gesang, jede Menge Tubey Magic (die Röhrenmagie im Mitteltonbereich), erstaunliche Unmittelbarkeit in der Abbildung der Musik, Detailreichtum und jede Menge Leben. Mit anderen Worten: Ich möchte dem Master-Tape-Sound so nahe wie möglich kommen! Hotstamper sind also Pressungen, die deutlich besser klingen als durchschnittliche LPs.
Das sind meine Anregungen zum Nachdenken. Ich wünsche allen Besuchern viel Freude bei den LPs, die ich hier allmählich vorstellen werde. Ich freue mich auf einen regen Austausch und neue Freunde.
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