
Dire Straits Dire Straits (1978) *****H Top 10



Gewinner-Pressungen
Vertigo, Deutschland 1978 (C02 / BT1)
Vertigo orange RI, UK 1982 (AI / BI scratched)
Klanggrad
Seite 1 A+++(+) (Ger)
Seite 2 A+++(+) (UK)
Zustand Cover / Vinyl: EX+/M- (Ger), M-/M- (UK)
Pressungen im Shootout: ca. ein Dutzend englische (Vertigo Spaceship, oranges Label), holländische und deutsche Pressungen.
Kommentare
Die beiden Gewinner-Pressungen des Debüts von Dire Straits haben den besten Sound für dieses Album, den ich je gehört habe. Die Kopien schlagen jede, die ich damit verglichen habe, und das waren mindesten ein Dutzend. Die erste Dire Straits ist überhaupt eine der am besten klingenden Rockplatten aller Zeiten, mit satten, seidig-sanften Mitten, viel und dennoch kontrolliertem Bass, hervorragender Transparenz und Klarheit, exzellenten Höhen und einer enormen Korrektheit.
Toningenieur Rhett Davies (Roxy Music, Bryan Ferry, Phil Manzanera, Talking Heads) hat mit diesem Albums bewiesen, dass er in die Gesellschaft der größten Ingenieure aller Zeiten gehört. Ein Geniestreich auch unter diesem Aspekt. Es ist sein Meisterwerk!
Ironie dieses Shootouts: Ich habe mir zig Kopien gekauft, sie gereinigt, kritisch verglichen und bin nicht dabei glücklich geworden. Der Weg der Erkenntnis ist oft lang und teuer. Entnervt habe ich für viel Geld bei Better Records den „World Champion“ gekauft, eine UK Vertigo oranges Label A+++ auf beiden Seiten (die UK-Original klingen lange nicht so gut wie die orangenen RI). Damit war ich wirklich zufrieden bis zu dem Tag, als ich meine Sammlung ausdünnen wollte unter dem Motto: Stelle dir nur hin, was du auch wirklich hörst oder einen sehr hohen emotionalen Sammlerwert für dich hat. Und da war dann zum einen diese deutsche Originalpressung, eins gekauft in einem Second Hand Laden in Berlin-Pankow, die ich schon ungehört aussortieren wollte. Einer meiner Grundsätze lautet aber, Ehre, wem Ehre gebührt. Diese Pressung schlug dann Tom Ports Pressung in drei Aspekten auf Seite eins:
Marks Stimme steht an vorderster Front und im Mittelpunkt, wo Rhett Davies sie haben wollte. Sie klingt super natürlich und ultradry nach Knopfler. Die Korrektheit ist außerhalb der Stratosphäre, einfach nur Wahnsinn. Selbst die beste UK-Pressung hat noch minimale Probleme bei den oberen Mitten. Dann der Hall. Der hat mich umgehauen.
Für Seite zwei war es eine UK-Vertigo mit orangenem Label, die ich Jahre zuvor gekauft und für gut befunden hatte. Durch mein verbessertes Equipment habe ich herausgefunden, was für ein Schatz in meinem Schrank lagerte. Die Midrange ist korrekt, hat seidige Höhen und man taucht beim Hören in die Musik hinein (into the music), vergisst, dass man eine Platte hört!
Seite 1
Down to the Waterline
Der Song fesselt vom ersten Ton an mit einigen mystischen Gitarrenlicks und toller atmosphärischer Musik, bevor die Band einsteigt. So gut wie jede Pressung hat während der leisen Anfangspassage Probleme im Vinyl (noisy edge). Gleich hier wusste ich, dass ich die Stimme noch nie so nah gehört habe. Mark Knopfler steht direkt vor mir im Hörraum. Die Pressung ist die Definition von Korrektheit. Das Prinzip je lauter, je besser funktioniert nur bei einer absolut korrekten Midrange. Das ist hier der Fall. Überhaupt gilt für audiophile Verrückte wie mich: korrekt geht vor spektakulär! Der gesamte Mix ist brillant mit einem hohen Grad an Ausgewogenheit.
Water of Love all-time favourite
Der Hall um die Claves (Klanghölzer) zu Beginn ist phänomenal. Der starke Bass ist wohl definiert und hat die richtige Gewichtung. Der Sound füllt einen riesigen Raum aus. Transparenz und Auflösung sorgen für diesen dreidimensionalen Studioraum – Wall to Wall! Die Gitarren klingen grandios.
Der männliche Erzähler beklagt seine Einsamkeit, die durch die Trennung von einer Frau entstand. Lieblingszeile: „Once there was a river, now there's a stone / You know it's evil when you're living alone“.
Wer etwas über Marks Einflüsse erfahren möchte, sollte sich unbedingt JJ Cale „Naturally“ anhören. Hier eröffnen sich besonders Parallelen zum Song „River Runs Deep“. Die Inspiration für Songs wie „Water Of Love“ und „Six Blade Knife“ ist unverkennbar.
Setting Me Up
Der Sound springt regelrecht aus den Boxen, sodass der Song funktioniert. Hier hört man den Unterschied zwischen mäßigen, guten und den besten Pressungen: Energie! Die besten Kopien lassen diese Band klingen, als ob sie in Flammen stünde, bereit, sich mit der Welt zu messen, riesig stolz auf den neuen Sound, den sie geschaffen haben. Die besten Kopien präsentieren eine Band, die rocken will und kann wie die Besten.
Six Blade Knife all-time favourite
Die Stimme in Kombination mit Knopflers magischem Gitarrenspiel ist der Wahnsinn. Die Rhythmussektion agiert auf Top-Niveau. Der Song ist kaum zu schlagen. Solche Musik möchte ich später jeden Tag im Himmel hören.
Southbound Again
Toller Sound – unglaublich groovig, ähnlich wie bei „Setting Me Up“.
Seite 2
Sultans Of Swing all-time favourite
Der Song ist ohne Zweifel ein Meisterwerk. Er hat Magie und das musikalische Zusammenspiel kann man als grandios bezeichnen. Pressungen wie diese lassen ihn auf nie gekanntem klanglichen Niveau erleben. Marks Gitarre geht einem nicht mehr aus dem Kopf („You check out guitar George, he knows-all the chords…“).
In the Gallery
Der Song wird oft unterschätzt, obwohl hier das tolle Zusammenspiel der Band, der Klangteppich und das Schlagzeug bestechen. Der Mix ist besonders hervorzuheben, klar definiert, dreidimensional und einhüllend. Bissiger Text auf die Kunstindustrie. Knopflers Gesang glänzt, er ist super verfeinert und getönt, dazu sein fesselndes Gitarrenspiel. Der teilweise harte Anschlag der Gitarren muss aus meiner Sicht etwas wehtun, denn das ist deren Natur. Das ist perfekt, wenn sie korrekt klingen und nicht verzerren, sodass man Zahnschmerzen bekommt.
Meine Lieblingsstelle befindet sich im Solo vor der letzten Strophe, als Mark ein „HA“ ins Mikro ruft. Ich liebe ohnehin seine Vokalakrobatik zwischen den eigentlichen Lyrics: oh year, hmm, ha, ohh, sein Lachen etc.
Wild West End all-time favourite
Ein fesselndes Hörerlebnis, so durchs Wild West End zu ziehen. Die exzellente Transparenz ermöglicht es, tief in das Klangfeld hineinzuhören und den Raum um alle Instrumente aufzuzeigen. Die natürliche Tonalität im Mitteltonbereich ist off the scale, wobei alle Instrumente die richtige Klangfarbe haben.
Der Text ist Obersahne: „The close ups can get rough…“.
Lions
Ich liebe den langsamen Beginn und die Stelle, wenn die Band einsetzt und der Raum bebt - und das muss er.
Die Pressungen haben die ganze Schlagkraft, die ganze Energie und die ganze Tubey Magic (Röhrenmagie), die man sich nur wünschen kann. Der Gesang, der Bass, die Gitarren – alles ist Perfektion! Der Gesamtklang ist satt, voll, sanft, sweet, supertransparent und von den Höhen bis Tiefen klanglich korrekt. Die Präsenz dieser Kopien ist unübertroffen. Keine CD wird jemals einfangen, was für Magie in den Rillen dieser Platte steckt.
Nur wenige Künstler haben einen solchen ersten Auftritt, einen, der noch Jahrzehnte später gefeiert und geschätzt werden kann.
Links:
Dire Straits Rockpalast: Live at WDR Studio-L, Cologne 1979
