The Beatles Please Please Me (1963) *****H


Gewinner-Pressung
Deutsche Apple von 1973
Stamper SHZE-117-A-2 / SHZE-117-B-2
Klanggrad
Seite 1 A+++ / Seite 2 A+++
Zustand Cover / Vinyl: EX+ / M-
Pressungen im Shootout: Mindestens ein Dutzend Pressungen, andere deutsche Apple, englische Parlophone RI (inklusiver einer, die bei Tom Port A++ bei einem Shootout auf beiden Seiten erhalten hat), eine Mono UK Parlophone aus den frühen Sechzigern (vergiss es, C-Sound), die MFSL aus der Box und die MFSL als Einzel-VÖ.
Kommentare
Es war harte Arbeit, ein Monster-Shootout über dreißig Jahre (!), bis ich dem Masertape-Sound am nächsten gekommen bin. Und die Deutschen hatten für ihre Apple-Pressungen aus den Siebzigern definitiv das Mastertape zur Verfügung wie auch bei Help, Revolver, MMT und dem White Album.
In all den Jahren habe ich große Fortschritte gemacht, sowohl was die Verbesserungen des Hi-Fi-Systems als auch meiner Herangehensweise an den Hörprozess betrifft. Und diese Fortschritte waren besonders für diese Aufnahme wichtig.
Die besten deutschen Exemplare überragten den Rest um Längen. Ich habe nie einen besseren Sound für PPM gehört! Er ist reichhaltiger, voller und sweeter, als ich es mir jemals erträumt hatte. Der Gesang ist perfekt mit viel Textur und Charakter. Der Gesamtklang ist druckvoller und dynamischer als auf den verglichenen Kopien, und er ist von den Höhen über die Mitten bis zu den Tiefen tonal KORREKT mit extrem geringer Verzerrung. Die hervorragende Transparenz ermöglicht es, Detailgenauigkeiten zu hören, die bei einer typischen Pressung des Albums verloren gehen. Die damals verwendeten offenen Mikrofone sind sehr gut darin, die tolle Live-Atmosphäre im Studio einzufangen.
Nachdem ich diese Kopie gefunden hatte, hörte ich, wie viel echter alle Instrumente und Stimmen darauf klingen. Dynamische Kontraste erweitern und vertiefen sich. Alles beginnt einfach richtig zu klingen, so richtig, dass man vergisst, dass es sich um eine Platte handelt.
Vorher war es schwer zu erkennen, was eigentlich fehlte. Es ist überhaupt viel schwieriger zu erkennen, was möglicherweise fehlt, als zu erkennen, was tatsächlich falsch ist. Das schafft man nur, wenn man ausgiebig vergleicht. Leider führen einen die Stampernummern nicht automatisch zum Ziel, schon gar nicht bei den deutschen Pressungen, die aus einer Zeit oft alle denselben Stamper haben. Des Rätsels Lösung ist, die Platten zu hören. Habe ich erst einmal einen Hotstamper gefunden, will ich nie wieder zurück zu den weniger guten Pressungen.
Monopressung der Beatles haben mich nie beeindruckt. Mit einer außergewöhnlichen Stereokopie erhält man mehr Raum um die Instrumente und praktisch keine Kompressionen.
Seite 1
I Saw Her Standing There
Ein explosiver Rocksong, den die Beatles bereits in den Liverpooler Clubs gespielt hatten. Das Stück tendiert auf den meisten Pressungen dazu, harsch und hell zu klingen. Wenn es flach und schrill klingt, hat man keine Hoffnung mehr für den Rest der Seite und man verlässt rückwärts den Raum. Auf dieser deutschen Apple ist alles beeindruckend KORREKT, selbst die Handclaps klingen einigermaßen natürlich, wie jeder es vom Klatschen her kennt.
Die Direktheit der Metaphern traf das Publikum damals direkt in die Magengrube: „Well, my heart went boom / When I crossed that room / And I held her hand in mine“
Misery
Die Nummer klingt lebendig und druckvoll. Auf den besten Pressungen klingt der Bass wunderbar definiert. Es gibt viel Hall und Raum um die klar gezeichneten Instrumente und den Gesang. Die Power treibt den Song voran.
Ein Porträt jugendlichen Selbstmitleids, ironisch und typisch britisch. „Without her, I will be in misery…“
Anna (Go to Him)
Sound mit viel Röhrenmagie (tubey magic), lebendig und energisch mit einem kräftigen Bass sowie erstaunlicher Unmittelbarkeit und Präsenz. Die Stimmen klingen perfekt – sanft, süß, reich, voll, wenn John auch schon erste Zeichen der Heiserkeit hören lässt.
Chains
Selbst auf den besten Pressungen klingt der Song relativ dünn und hell. Auch der Gesang ist nicht so gut aufgenommen ist wie bei „Anna“. John scheint manchmal gegen das Mikro zu stoßen, was den Raum entsprechend mit einem kurzen tiefen Ton erfüllt.
Boys
Das Stück benötigt Bass und bekommt ihn auf dieser Apple-Pressung auch. Ringo singt den Song mit seliger Hingabe und unerschütterlicher guter Laune, unterstütz von den Boys. George fetzt ein Chet-Atkins-Solo in den linken Kanal, das ein Maximum an Korrektheit bedarf, um nicht zu schrill zu klingen.
Ask Me Why
Angenehmer Sound einer Nummer, die von John dominiert wird. Der Song wurde von Smokey Robinsons „What’s So Good About Goodbye“ beeinflusst.
Please Please Me
Der Song klingt, als sei er fürs Radio gemixt worden (was er ja auch war). Vom ultimativen Sound trennt uns mindestens ein Überspielen zu viel. Der erste große Hit für die Fab Four.
Seite 2
Seite zwei klingt besser und hat auch die noch stärkeren Songs zu bieten.
Love Me Do all-time favourite
Die erste eigene Single der Beatles. Johns Harmonika klingt exzellent und die offenen Harmonien verbreiten frischen Wind. Bei der Album-Version sitzt Andy White am Schlagzeug!
P.S. I Love You
Das Schlagzeug von Andy White, der hier wieder engagiert wurde, klingt hervorragend. Auch dieser Song hat etwas zu viel „Radio-Mix“, außerdem ist der Stereoeffekt künstlich, da er aus einem Monotape erstellt wurde.
Baby It’s You
Einer der magischsten Sounds auf dem Album. Von hier an ist jeder Track der Hammer. Toll gesungen von John. Auf den Top-Exemplaren ist die Präsenz des Gesangs und der Gitarren verblüffend real.
Do You Want to Know a Secret
Gleichwohl Ian MacDonald in seinem Buch „The Beatles – Das Song-Lexikon“ ohne Ende auf dieser Nummer herumhackt, finde ich sie genial. Georges Gesang ist hervorragend, der Sound exzellent. Der Bass geht schön tief und der Hall um die Drumstick-Clicks im Mittelteil ist genial.
Sollte mal wieder jemand nicht verstehen, warum ihr euch heutzutage immer noch mit einem Plattenspieler und alten Schallplatten beschäftigt, spielt ihm diese Songs vor. Keine CD, kein Streaming kann auch nur annähernd das leisten, was eine gute Pressung dieses Albums leisten kann.
A Taste of Honey
Viel Hall um Pauls gedoppelte Stimme.
There’s a Place
Der Gefühlsstärke des Songs kann man sich nicht entziehen. Mich macht er immer ein wenig traurig.
Twist and Shout all-time favourite
Jeder Beatles-Fam kennt die Story um diesen Song, der letzte in der eintägigen Aufnahmesession am 11. Februar 1963. Lennons Stimme hatte bereits arg gelitten, bevor er als letztes diese Brüllnummer bringen musste. Der Song hat eruptive Energie. Eine Band in Topform schafft eine knisternde Atmosphäre, die man bis dahin in der Musikwelt nicht kannte.
Die erste Platte der Beatles ist vorzüglich aufgenommen. Hat man die richtige Pressung, kann man fühlen, wie gut der Live-Sound dieser vier Jungs eingefangen wurde, die zusammen als Band spielen. Es ist ihr erstes Meisterwerk, bei dem nicht alles perfekt ist, das aber zu begeistern weiß.
Wie erwähnt, guter Klang bedeutet oft harte Arbeit. Es wäre ja auch viel zu einfach und langweilig, eine moderne Reissue oder MFSL zu kaufen und alle Probleme damit zu lösen. Umso interessanter ist die Hotstamper-Philosophie.
Meine MFSL-LPs habe ich vor vielen Jahren verkauft. Ihre Tonalität war vor allem in der Midrange nicht korrekt, was besonders bei den ersten Beatles-LPs beim Hören den Spaß verdarb. Darüber hinaus waren bei den MFSLs die größten Mängel der dünner Bass und die laschen Vokals, bei denen die Zischlaute unangenehme betont wurden.
Beatles = Genies!
Zitat George Martin: „Ich war nichts weiter als ein Vermittler. Genie hatten sie, da gibt es keinen Zweifel.“
Ian MacDonald schreibt: „Trotzdem ist es so gut wie sicher, dass es auf keiner Seite des Atlantiks einen zweiten Produzenten gab, der damals fähig gewesen wäre, mit den Beatles umzugehen, ohne sie zu beschädigen…“
Quellen & Links:
Ian MacDonald „The Beatles – Das Song-Lexikon“ (ISBN 3-7618-1426-7)
The Sceptical Audiophile
Wikipedia zu den Songs
